Veröffentlich am 25.01.2017

Der WKR, seine Verbindungen und ihr rechtsextremes Hofburg Spektakel

Am 3. Februar 2017 findet zum ermattend-wiederholten mal der FPÖ “Akademikerball”- vormals WKR-Ball – in der Hofburg statt. Doch was ist eigentlich der Wiener Korporationsring? Welche Burschenschaften und Akteure spielen dort mit und was macht ein paar biertrinkende, degenschwingende Buberl eigentlich rechtsextrem? Wie ist es um den antifaschistischen Protest gegen den WKR Ball bestellt?

Der WKR und seine Verbindungen

Der WKR besteht seit 1952 und ist ein Zusammenschluss Wiener schlagender Burschenschafter, also fechtender, rechter und rechtsextremer Studentenverbindungen. Die personellen als auch ideologischen Verbindung zwischen den Burschenschaften des WKR mit der FPÖ und ihren Vorfeldorganisationen wie dem RFS sind klar: So sind 18 von 40 FPÖ MandatarInnen Teil von Studentenverbindungen. Auch der Großteil der Führungsriege der rechtsextremen “Identitären” gehört zu der Runde der farbentragenden Burschenschafter. Damit ist die Verbindung mit dem parlamentarischen Rechtsextremismus der FPÖ geschlagen.

Deutsch, Männlich, Völkisch

Ideologisch ranken sich die Verbindungen des WKR um Deutsch-Nationalismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und Rassismus. Die Verbindungen des WKR verfolgen einen autoritären Herrschaftsanspruch und ein archaisches Männlichkeitsbild. Die deutsch-nationale Gesinnung beinhaltet den Militarisierungsritus durch das Mensur-Fechten, ein überhöhtes Männlichkeitsbild und das Ideal der Aufopferung für das “Vaterland”. Sie gehen von einem homogenen Volkskörper aus, den es zu beschützen gilt. Die Männerbündelei der Verbindungen schließt Frauen* explizit von der Mitgliedschaft aus und verweist sie in einen angeblich angestammten, herabwürdigenden Bereich.

Braune Geschichte, braune Gegenwart

Traditionell speisen sich jene Burschenschaften aus dem Nationalsozialismus. Sie standen ebenso mit der Ermordung KZ-Überlebender in Verbindung wie mit dem Antifaschististen Ernst Kirchweger und dem Südtirolterrorismus. Der Antisemitismus und das Betrauern des Endes des Nationalsozialismus sind den Burschenschaften des WKRs durch ihre Handlungen auch heute explizit: So veranstalteten sie den WKR-Ball häufig bewusst am Internationalen Holocaust Gedenktag, dem 27. Jänner. Außerdem organisiert der WKR jährlich am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, ein Trauer-Totengedenken. Auch der “Arierparagraph” ist in den deutschen Burschenschaften noch immer vorhanden: Nur Angehörige des “Deutschen Volkes” dürfen Mitglieder werden.

Das rechtsextreme Vernetzungstreffen in der Hofburg

Von 1987 bis 2012 war der WKR der Veranstalter des Balls in der Hofburg, der zum Vernetzungstreffen der rechten und rechtsextremen Szene aus ganz Europa wurde. Hier können sich deutsch-nationale Burschenschafter in einem der repräsentativen Gebäude Österreichs selbst feiern, ebenso wie Neonazis neben parteiförmigem Rechtsextremismus der FPÖ, der Front National, der NPD und zahlreichen rechtsextremen Parteien Europas zur Normalisierung jenes Gedankengut beitragen. Seit 2013 übernahm die Wiener Landesorganisation der FPÖ die offizielle Organisation, weil dem WKR das Veranstalten durch die Betreibergesellschaft der Hofburg untersagt wurde. Seither ist der Ball unter dem Deckmantel “Akademikerball” bekannt, vereint und bekräftigt aber noch immer die rechtsextremen Strömungen aus ganz Europa.

Staatliche Repression – gegen die Falschen

Die immer stärker werdende hetzerische, rechte Stimmung polarisiert die aktuelle gesellschaftliche Debatte, lässt menschenfeindliche Meinungen bis weit in der Mitte der Gesellschaft hervortreten und normalisierte so in den letzten Jahren die Tatsache, dass dieser Ball, gestützt durch staatliche Institutionen und Exekutive, als solches heute kaum mehr Entrüstung erregt. Durch die anhaltende staatliche Repression jeder Art von antifaschistischen Protesten ist es traurigerweise gelungen, den Skandal von den Geschehnissen in der Hofburg auf die Demonstrationen vor der Hofburg zu verlagern. Während also linker Protest kriminalisiert und deligitimiert wird, bemüht sich die Polizei um ein massives Aufgebot zum angeblich notwendigen Schutz der Rechten.

Antifaschistischer Protest?

Gleichzeitig konnte der lang anhaltende Protest der letzten Jahre erfolgreich thematisieren, wer und was hinter der vermeintlich harmlosen Tanzveranstaltung steckt und sie gleichzeitig immens behindern – die BesucherInnenzahlen des “Akademikerballs” sinken. Heute gibt es andere Baustellen, auf die sich antifaschistische Arbeit hauptsächlich konzentriert. Doch kommen wir nicht drum herum, den nach wie vor stattfindenden “Akademikerball” zu thematisieren und die Normalisierung von Rechtsextremismus nicht unkommentiert von statten gehen zu lassen.
Wir werden an dieser Stelle bis zum 3. Februar einige der im WKR vertretenen Burschenschaften vorstellen.

#KeinHufbreit dem Faschismus und den rechtsextremen Männermünden des WKR!

Die “akademische Burschenschaft” Olympia

Die “akademische Burschenschaft” Teutonia

Die Burschenschaft Oberösterreicher Germanen

Der “Wiener Akademische Turnverein”

Mehr darüber, was “Kein Hufbreit” bedeutet.