Veröffentlich am 29.11.2016

Veranstaltungen: Kein Hufbreit dem Faschismus

 

18. Jänner, Innsbruck
Demonstrationsrecht und -vorbereitung 
17:00, Grünes Büro Innsbruck, Museumstrasse 11/1.OG
Wie jedes Jahr findet auch 2017 der berüchtigte “Akademikerball” in der Wiener Hofburg statt. Dabei vernetzt sich regelmäßig alles was in der internationalen rechtsextremen Szene Rang und Namen hat. Das ausgerechnet die Hofburg, als eines der repräsentativsten Gebäude Österreichs, dafür zur Verfügung gestellt wird ist nur einer der vielen Kritikpunkte an diesem Treffen.
Zur Vorbereitung auf die ebenfalls jährlich stattfindenden Gegendemonstrationen – bei denen sich jedesmal mehrere Tausend Menschen beteiligen – wollen wir in diesem Workshop grundlegende Rechte von Menschen und der Polizei auf Demonstrationen (Vermummungsverbot, Identifikationsfestellung, Aussageverweigerung etc) klären.
Außerdem werden wir gemeinsam die Vorbereitung auf eine Demonstration besprechen. Was sollte ich unbedingt mitnehmen und was lass ich lieber zu Hause? Und was ist eigentlich eine “Bezugsgruppe”?
Wir bitten um Anmeldung unter: innsbruck@gras.at

 

12. Dezember 2016, Innsbruck
Buchpräsentation: Rechtsextremismus
19:00, Buchhandlung liber wiederin

Buchpräsentation der FIPU (Hg.)
Rechtsextremismus Band 2: Prävention und politische Bildung

Die extreme Rechte ist im Aufwind – abzulesen an rechtsextremen Wahlerfolgen, erfolgreichen rassistischen Mobilisierungen und grassierender Hate Speech im Internet. Entwicklungen wie diese verleihen der Frage Nachdruck, wie Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegengewirkt werden kann. Kann politische Bildung je mehr als Symptombekämpfung sein? Welche Art von Bildung wird dahingehend gebraucht und
welche sozialen Kontexte hat sie zu berücksichtigen?
Im Anschluss an Grundlagentexte zu Geschichte, gesellschaftlichen Beschränkungen und zur Geschlechterdimension politischer Bildung, zur Ideologiekritik und zu Grundlinien wirksamen pädagogischen Handelns gegen Rassismus und Antisemitismus widmet sich der Band verschiedenen Spezialaspekten der Bildung »gegen Rechts«: von ihren Orten (Gedenkstätten, soziale Arbeit) und Medien (Kinder- und Jugendbuch) bis hin zu spezifischen Herausforderungen in Zeiten von Deradikalisierungseifer und besorgter Bürgerlichkeit.
Der Band schließt thematisch an den 2014 erschienenen FIPU-Erstling Rechtsextremismus: Entwicklungen und Analysen an.

 

1.Dezember 2016, Wien
Die AfD: Entstehung, Entwicklung und Radikalisierung

19:00, Uni Wien, Campus / Altes AKH, Hörsal A
Vortrag mit Andreas Kemper

Die Alternative für Deutschland entstand 2013 als neoliberale Partei mit konservativer Ausrichtung. Nach einem Machtkampf verließen im Sommer 2015 die transatlantisch-neoliberalen die Partei und seither kämpfen zwei Flügel um die Vorherrschaft: ein karriere- und machtorientierter Flügel um Frauke Petry und Marcus Pretzell und ein völkisch-nationalistischer Flügel um Björn Höcke und Alexander Gauland. Im Vortrag wird auf die neoliberalen, christlich-fundamentalistischen und neurechten/ faschistischen Strömungen der AfD, sowie deren Verbindungen zu den transatlantischen Faschisierungsprozessen eingegangen werden.
Der Soziologe Andreas Kemper beobachtet die AfD seit ihrer Entstehung und hat verschiedene Expertisen (u.a. zum Geschlechterbild der AfD und zur faschistischen Ideologie Björn Höckes) verfasst

 

29. November 2016, Salzburg
Stadttour Burschenschaften
16:00, Treffpunkt: Unipark

Bernhard Damoser liefert bei einer gemütlichen Runde durch die Salzburger Innenstadt wissenswerte Fakten über die ansässigen Burschenschaften.

 

19:00, Uni Wien, NIG III
Vortrag und Diskussion mit Brigitte Hornyk, vom Österreichischer Frauenring, der Plattform 20.000 Frauen und Verfassungsjuristin
Audioaufzeichnung auf Anfrage an aktiv@gras.at 
Spätestens seit Ende September, als in Polen Schwangerschaftsabbruch gänzlich illegalisiert werden sollte, ist klar: Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist für Frauen* noch immer keine Realität. Angesichts Abtreibungsverbote in Polen und Irland begegnen wir gerade derzeit einem antifeministischen Backlash, der Frauen*rechte, die viele schon als selbstverständlich sehen, wieder einzuschränken droht. Sie müssen ständig wieder neu erkämpft werden.
Auch in Österreich ist der Schwangerschaftsabbruch nicht legal, sondern lediglich seit1975 – unter bestimmten Voraussetzungen – straffrei: Fristenregelung. Der Zugang ist nicht wie international gefordert frei und sicher: So zeigt sich neben einem starken Stadt Land Gefälle auch die „Gewissensklausel“ als Gelegenheit für Ärzt_innen, Abbrüche abzulehnen. Anders als in vielen westeuropäischen Ländern kommt in Österreich außerdem hinzu, dass ein Abbruch nicht von der Krankenkasse bezahlt wird und damit einkommensschwächeren Frauen* einen Eingriff zusätzlich erschwert. Aktuell wird er von der Initiative “Sternenkinder” wieder massiv in Frage gestellt: Ein Gesetzesentwurf des Innenministeriums enthält unter dem Deckmantel der Möglichkeit, Fehlgeburten eintragen zu lassen, einen versteckten Angriff auf die Fristenregelung.
Frauen*körper sind auch immer wieder politisches Schlachtfeld. Blickt eins auf die Erfolge rechter Parteien in Europa fällt insbesondere ein regressiver Antigenderismus auf, der in den Reihen von Front National oder der AFD zu finden ist. Im Freiheitlichen Handbuch macht die FPÖ aus ihrer Posit zum Thema Schwangerschaftsabbruch kein Geheimnis. So liest sich im Abschnitt “Das ungeborene Leben” die These, dass die Gebärmutter ist “der Ort mit der höchsten Sterbewahrscheinlichkeit in unserem Land” ist. Auf Anfrage in einem Fernsehinterview im Mai diesen Jahres ruderte Norbert Hofer keineswegs zurück sondern plädierte für eine “Bedenkzeit” vor dem Schwangerschaftsabbruch und damit einer Entmündigung von Frauen*.

 

28. November 2016, Krems
Film: Die Kremser Hasenjagd und Interessent_innentreffen
18:00, Krems, Seminarraum 2.4 (Mitteltrakt Altbau, 2. Stock)
Filmvorführung an der Donau-Universität-Krems mit dem Filmemacher Gerhard Pazderka
Als wären sie Hasen – jagen NS-Einheiten in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges aus dem Zuchthaus Stein bei Krems frei gelassene, überwiegend politische, Häftlinge.
Der für die Entlassung verantwortliche Gefängnisdirektor, Franz Kodré und drei seiner Gefängniswärter werden von den Nazis hingerichtet, hunderte Männer beim Massaker in der Strafanstalt und in den umliegenden Orten wie z.B. Krems, Paudorf-Göttweig und Hadersdorf am Kamp ermordet.
Im Film erzählen ZeitzeugInnen über ihre Erlebnisse rund um den 6. April 1945. Darüber hinaus dokumentieren die Filmemacher, Gerhard Pazderka, Enkel eines damals Ermordeten, und der Historiker Robert Streibel auch die Unterschiede im Umgang mit der Vergangenheit: in Hadersdorf am Kamp, wo der Konflikt um die Errichtung einer Gedenkstätte eskalierte und am Beispiel des engagierten Pfarrers der Gemeinde Paudorf-Göttweig.

22. November 2016, Linz
Frauen*spezifischer Alltagsrassismus – Gegenstrategien und Handlungsmöglichkeiten
18:00, HS 6, Keplergebäude JKU Linz
Vortrag mit Lilian Levai von Verein ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit

Lilian Levai arbeitet in der Beratungsstelle für betroffene Personen und Zeug_innen von Rassismus im Verein ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden wir uns vor allem mit frauen*spezifischen Rassismen beschäftigen und versuchen Gegenstrategien zu entwickeln, um daraus Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Diese Veranstaltung richtet sich nicht nur an Student_innen, all people are welcome!

16. November 2016, Innsbruck
Verschwörungstheorien im Rechtsextremismus
19:00, Hörsaal 2 (GeiWi), Uni Innsbruck

Vortrag und Diskussion mit Claus Oberhauser

Österreich steht vor einer Richtungsentscheidung. Die anstehende Bundespräsidentschaftswahl hat nicht nur einen stark symbolischen Charakter. Das Ergebnis wird sowohl politisch als auch gesellschaftlich Einfluss auf unseren Alltag nehmen. Im Rahmen unserer Kampagne ‘Kein Hufbreit dem Faschismus’ möchten wir rechtsextreme und reaktionäre Tendenzen thematisieren und dem Rechtsruck entgegentreten.
In diesem Vortrag wird der Begriff “Verschwörungstheorie” problematisiert und definiert. Danach wird erklärt, wie historische Verschwörungstheorien bis heute wirken. Dabei steht die Geschichte und die Dekonstruktion der “Protokolle der Weisen von Zion” im Vordergrund. Ferner werden Merkmale rechter Verschwörungstheorien anhand von Beispielen seit der Französischen Revolution aufgezeigt. Es ist festzuhalten, dass sich zeitgenössische Verschwörungstheorien auf ein Wissensreservoir beziehen, das von Gegnern der Französischen Revolution entwickelt und konstruiert wurde. Hierbei wird die Tradierung eines Verschwörungsmythos sichtbar, der sich durch Ablehnung der für eine Demokratie so wichtigen Werte Freiheit und Gleichheit speist.

15. November 2016, Wien
Die Sozialpolitik der FPÖ: Zwischen kleinen Männern und der Zerschlagung des Sozialstaates
19:00, NIG III, Universität Wien

Audioaufzeichnung auf Anfrage an: aktiv@gras.at 

Vortrag und Diskussion mit Birgit Hebein und Lukas Wurz

Die FPÖ, die sich selbst gern als “soziale Heimatpartei” bezeichnet, betreibt bei näherem Betrachten eine Politik, die in einer Zerschlagung des Sozialstaats mündet. Ihre Sozialpolitik beruht auf einer völkischen Auslegung des Nationalismus und rassistischer Ausgrenzung aller nicht “Autochtonen”. Doch ihre populistische Politik “für den kleinen Mann” und “für unsre Leut” führt in weiterer Folge dazu, den gesamten Sozialstaat zu Grunde zu richten.
Birgit Hebein ist Gemeinderätin in Wien und Sozialsprecherin der Grünen
Lukas Wurz ist Gewerkschafter der AUGE der Alternative und Grüne Gewerkschafter_innen und Referent für Sozialpolitik im Parlamentsclub der Grünen.
14:00, Wien Museum

Die GRAS Wien lädt zum gemeinsamen Besuch ins Wienmuseum durch die “Sex in Wien” Austellung.
Bei freiem Eintritt!

Das Wienmuseum zeigt derzeit die Ausstellung “Sex in Wien. Lust. Kontrolle. Ungehorsam” . Erzählt wird die Geschichte der lustvollen Beziehung von Stadt und Sex, von sich eröffnenden Freiräumen, Auswegen aus sozialer Kontrolle aber auch neuen Überwachungsmöglichkeiten und Katogerisierung von Sexualität. Beispiele aus dem 19. Jahrhundert bis heute zeigen die Veränderung der Formen, Darstellungen und Bewertung der Sexualität im Prozess der Urbanisierung.
Wir treffen uns um 13:45 davor.

 

2. November 2016
Wohin entwickelt sich die Türkei?
Zwischen Autokratisierung, Putsch, “Flüchtlings-Deal” und Kurd_innenkonflikt
19:00, Uni Wien, Campus Altes AKH, Hof 2, Hörsal A

Podiumsdiskussion

Die Türkei wird in aktuellen Debatten oft zum Synonym für verschiedenste sich überschneidende politische Konflikte. Sei es die Autokratisierung durch die AKP und Präsident Erdogan, die Einschränkung der Pressefreiheit und Beschneidung der Menschenrechte, die Auswirkungen des Putsches, der wieder angezettelten Kurd_innenkonflikt oder die Position zwischen der EU und Syrien und dem “Flüchtlings-Deal”. Wohin entwickelt sich die Türkei?

27. Oktober 2016
Das rechtsextreme “Europäische Forum Linz”
Kein Hufbreit dem rechtsextremen Kongress
19:00, Lindengasse 40, Wien

Info- und Demovorbereitung
Mehr Infos zum EFLinz

Zwischen dem 28. und 29. Oktober findet des “Europäische Forum Linz” in Prunksälen des Landes Oberösterreich statt. Hinter dem harmlosen Namen versteckt sich ein in dieser Dimension nie dagewesenes Vernetzungstreffen der internationalen extremen Rechten. Sie selbst bezeichnen es als eine “Leistungsschau patriotischer, identitärer und konservativer Arbeit”, die zum Zweck hat rechte Strukturen auszubauen, Aktionen zu planen sowie Verbindungen zu knüpfen, um sich dabei gegenseitig an menschenfeindlichen, rassistischen Ideologien zu übertrumpfen.
Wir beschäftigen uns einen Abend lang mit den Fragen:
> Was ist das “Europäische Forum” Linz?
> Wer tritt dort auf, wer sind die Akteur_innen?
> Welche Ideologie wird vertreten und was macht das EFL so gefährlich?
> Welche politische Dimension betrifft ein solcher Kongress in Anbetracht des europaweiten Rechtsruck?
Im Anschluss bereiten wir uns gemeinsam auf die kommenden Demonstrationen und Formen des Widerstandes vor. Rechtsinfos stellen wir zur Verfügung!
Noch vor wenigen Jahren wäre der Kongress undenkbar gewesen. Dass jene heute den Mut haben, den Zweck des Kongresses öffentlich anzukündigen und dies gleichzeitig keinen öffentlichen Eklat auslöst, sondern jene auch noch die Möglichkeit bekommen das EF in repräsentativen öffentlichen Prunksälen des Landes Oberösterreich abzuhalten ist mehr als bezeichnend für die derzeitige Verfasstheit der postnazistischen Gesellschaft Österreichs und den Rechtsruck in Europa.

25. Oktober 2016
No <3 for a Nation
17:00, TU Wien, Prechtlsaal (Karlsplatz 13, Erdgeschoss)

Passend zum Nationalfeiertag am 26.10.  veranstaltet die GRAS an der TU Wien Vortrag & Diskussion zum Thema  “No ♥ for a Nation”. Nach einem Vortrag findet eine Diskussion mit Expert_innen statt.
Bei der Veranstaltung wird es u.a. um die aktuellen nationalistischen,  rassistischen Tendenzen und Entwicklungen in Europa und Österreich im  Speziellen gehen. Außerdem gibt es einen Informationsstand im Foyer des Prechtlsaals bzw. im Eingangsbereich im Erdgeschoss.

25. Oktober 2016
Film: Macht ohne Kontrolle? 
Die Troika
19:00, WU- Wien, T C. 2.01

Eine Dokumentation von Harald Schumann, Deutschland 2015

Um ihre Notkredite zu erhalten, mussten sich die Krisenstaaten der Eurozone den Vorgaben Beamter beugen, die keinerlei parlamentarischer Kontrolle unterliegen: der Troika. Rekrutiert aus den Institutionen IWF, EZB und Europäischer Kommission forderten sie Einsparungen in verheerendem Ausmaß. Doch die positiven Auswirkungen der Sparpolitik blieben für die meisten aus.
Der Wirtschaftsjournalist und Bestseller-Autor Harald Schumann geht der brisanten Frage auf den Grund: Was passiert mit Europa im Namen der Troika? Beamte aus den drei Institutionen IWF, EZB und Europäischer Kommission – der Troika – agieren ohne parlamentarische Kontrolle. Sie zwingen Staaten zu Sparmaßnahmen, die das soziale Gefüge gefährden und tief in das Leben von Millionen Menschen eingreifen.

 

21. September 2016
Film: Fang den Haider
19:00, Wirtschaftsuniversität Wien

Ein Film von Nathalie Borgers, Österreich 2015

Jörg Haider ist nach seinem Unfalltod 2008 zum Mythos geworden, an dem sich bis heute Wegbegleiter, Kritiker und nicht zuletzt die Öffentlichkeit abarbeiten. Regisseurin Nathalie Borgers begegnet ihm dabei – fern von den gängigen Polarisierungen um seine Figur – auf die vielleicht einzig mögliche Weise: mit einem klaren Blick von außen.

FANG DEN HAIDER ist eine subjektive Reise in Haiders politische, geographische, familiäre und emotionale Welt. Ein Roadmovie, das einen Blick hinter die Fassade wirft, die hintersten Täler Kärntens bereist um seine ehemaligen UnterstützerInnen und KollegInnen zu treffen und das Umfeld, das ihn formte, sowie die volkstümlichen Traditionen, die er förderte, zu ergründen. Der Film versucht einen Einblick in die wirkliche Person Haiders, abseits seiner widersprüchlichen Person, seiner Ziele und Strategien zu geben, und jene illusionären und betrügerischen politisch-populistischen Methoden, die sich seither in ganz Europa etabliert haben, aufzuzeigen.

 

19. September 2016
Schall & Rauch
Das Denken der Weltverschwörungstheoretiker_innen
19:00, Krems, Cinema Paradiso

Mit dem freien Publizisten Thomas Rammerstorfer

Die Medien werden zentral gesteuert. 9/11 war ein „Inside Job“. Es gibt keinen Klimawandel. Hinter allen spektakulären Terroranschlägen der letzten Jahre stecken CIA und Mossad. Die Bilderberger, die Freimaurer, die Illuminaten, die Juden und/oder Satan regieren heimlich die Welt. Die Kondensstreifen von Flugzeugen sind in Wahrheit chemische Attacken um die Weltbevölkerung zu. Die meisten Naturkatastrophen werden künstlich erzeugt. Es gab nie eine Mondlandung. Nazis haben UFOs gebaut und Außerirdische die Pyramiden. Impfungen nutzen nur der Pharmaindustrie. Die Erde ist in Wirklichkeit hohl. Und auch hinter dem „Islamischen Staat“ steckt Israel.
Eingedenk dessen, das die Unzulänglichkeiten des kapitalistischen Systems – Krisen, Kriege, Ungerechtigkeit – offensichtlich und wissenschaftlich belegbar sind, ist eine Beschäftigung mit Weltverschwörungstheorien bestenfalls Zeitverschwendung. Schlimmeren Falls leistet man jenen politischen Kräften Vorschub, die die Fehler des Systems bestimmten Personengruppen zuschanzen wollen – mit den aus dem letzten Jahrhundert bekannten verheerenden Folgen.

13. September 2016
Social Media als rechtsextremes Aufmarschgebiet
Strategien und Gegenstrategien
19:00, FHWKWien

Vortrag und Diskussion mit Andrea Stangl, Historikerin und vergangenheitspolitische Referentin im Grünen Parlamentsklub

Die Sozialen Medien sind in den letzten Jahren – bedingt durch das Verbot der großen neonazistischen Foren und durch kostenfreie Angebote – zunehmend zum Aufmarschgebiet der extremen Rechte geworden: Diesbezügliche „Angebote“ finden sich auf Facebook auf offenen Seiten, in offenen oder geschlossenen Gruppen, und die Hardcorefraktionen organisieren sich in geheimen Gruppen. Noch unverhohlener als auf FB sind Rechtsextreme und Neonazis auf dem russischen FB-Pendant vk. com organisiert. Fälle aus Deutschland haben gezeigt, dass sowohl die Rekrutierung für wie auch die Planung von terroristischen Aktivitäten wenigstens teilweise ebenfalls über Soziale Medien erfolgt.
Eine Vorreiterrolle in Europa spielt die FPÖ, die mit Straches FB-Account nicht nur die erfolgreichste Polit-Seite in Österreich betreibt, sondern sich durch den frühen und gezielten Aufbau von digitalen Parallelwelten ein selbstreferentielles geschlossenes System zur Verbreitung von parteigenehmen Meldungen, Lügen und zur Stimmungsmache – respektive Hetze – geschaffen hat.
Ziel dieses Abends ist zu diskutieren, warum Rechtsextreme offenbar besser und erfolgreicher als die Linke diese Kanäle zu nützen wissen, welche Strategien dahinterstehen und vor allem, was mögliche kurz- und längerfristige Gegenstrategien sein können.

 

9. September 2016
Europa im Auge des Populismus
Patriotismus & Nationalstolz versus Europäische Solidarität
19:00, NIGIII, Uni Wien

Vortrag und Diskussion mit Ewa Dziedzic, Politikwissenschaftlerin und Bundesrätin.

85-Prozent der Polen und Polinnen freuen sich über die EU-Mitgliedschaft, mehr als 850.000 Polen leben in Großbritannien, 2 Millionen arbeiten im EU-Ausland. Bezüglich des Anteils von HochschulmitarbeiterInnen, die über Erasmus ins Ausland gehen, liegt Polen EU-weit an erster Stelle, durch die Ausrichtung junger Menschen auf Europa durch EU-Projekte wie Migration sind Mobilität und Internationalität sehr ausgeprägt. Trotzdem: Mit dem angeblichen Verlust der nationalen Souveränität und Identität oder der Dominanz Brüssels werden Wahlen gewonnen. Die derzeit regierende Partei “Recht und Gerechtigkeit” katapultiert das Land ins mittelalterliche Gedankengut – wer aufmuckt, wird gekündigt.
Die Schwächung von nationalen Demokratie und des Rechtsstaates dient in Polen, Ungarn aber auch Österreich als Ausgangspunkt für rechte Argumentation. Demokratie wird dabei als Durchsetzung des objektiven Willens eines organischen Volkskörpers gegen allerlei Fremde verstanden. Europaweit geben Populisten vor, die Interessen des eigenen “Volkes” gegen eine Elite zu verteidigen und betreiben dabei nicht nur antieuropäische und antidemokratische Politik – sie haben damit auch Erfolg.