Veröffentlich am 13.05.2017

Offener Brief an Rektor Engl: WKR Burschenschaften soll Wettkampf nicht am USI Gelände abhalten dürfen!

Sehr geehrter Herr Dr. Engl,

Wie auf der Homepage des Wiener Akademischen Turnvereins (WATV) nachzulesen ist, erlauben Sie als Rektor der Universität Wien dem WATV zwischen 25. und 28. Mai 2017 im Zuge ihres 130-jährigen Stiftungsfests einen Wettkampf am Gelände des Universitäts-Sport-Instituts (USI) auf der Schmelz abzuhalten.

Der WATV ist als Teil des Wiener Kooperationsrings (WKR) deutschnational ausgerichtet und ist ausschließlich Männern vorbehalten. Die antisemitische Haltung des WATV erschließt sich zum Beispiel aus dem Titel des Wettkampfs “Jahn-9.-Kampf” – denn  der durch den Wettkampf gehuldigte Friedrich Ludwig Jahn war glühender Antisemit.

Denn der WATV ist keinesfalls ein harmloser Turnverein. Wie stark der WATV in der einschlägigen Szene des WKR aktiv ist zeigt sich daran, dass der aktuelle Sprecher des WKR, Klaus Kuchling, Mitglied des WATV ist. Vor der Bude des WATV in der Mölker Bastei im 1. Wiener Gemeindebezirk treffen sich regelmäßig zahlreiche rechte und rechtsextreme Burschen für ihre Aufmärsche, bei denen auch “Hitlergrüße” dokumentiert sind. Die deutschnationale Ausrichtung des WATV spiegeln sich auch in den schwarz-rot-goldenen  Farben des WATV wieder. Von Mitgliedern wird eine ”Zugehörigkeit und des Bekenntnisses zum deutschen Volkstum” vorausgesetzt.

Dass die Universität Wien einem solchen Verband ihre Ressourcen zur Verfügung stellt ist untragbar. Damit zeigt sich, dass antisemitisches und sexistisches Gedankengut nicht nur von der Studienvertretung Jus betrieben, sondern auch vom Rektorat der Universität Wien geduldet wird.

In einem postnazistischen Land wie Österreich, haben wir alle, als Einzelpersonen aber eben auch die Institution Hochschule ihrer historischen Verantwortung nach zu kommen und dieses Gedankengut nicht zu tolerieren, sondern dagegen aufzutreten.

Deswegen fordere ich Sie hiermit auf, den Wettkampf des Wiener Akademischen Turnvereins am Gelände der Universität Wien zu untersagen um Antisemitismus, Sexismus und Deutschnationalismus keinen Platz zu geben.

Mit freundlichen Grüße

Lena Köhler