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Zugangsbeschränkungen - eine verschleierte Diskussion

Gras Transparent auf einer DemoAufnahmeprüfungen, Studiengebühren und verschärfte Studieneingangsphasen – alles nur irregeleitete Ansätze, die von der Bundesregierung nach dem Zufallsprinzip vorgebracht werden? Wohl kaum. Denn in der Diskussion rund um Zugangsbeschränkungen tauchen regelmäßig wiederkehrende Argumente auf, während andere Fakten gezielt verschleiert werden.

 

So wird der Ruf nach Zugangsbeschränkungen häufig mit dem Hinweis verbunden, dass die hohen Drop-Out-Quoten an den Universitäten gesenkt werden muss. Um trotz knapper Hochschulbudgets die AbsolventInnenzahlen zu steigern, sollte die Zahl der Studienabbrüchen reduziert werden. Als Ursache für Studienabbrüche führen die BefürworterInnen von Aufnahmeprüfungen gerne die angeblich fehlende Motivation oder unzureichende „Begabung“ der Studierenden ins Feld. Daher müsse schon vor oder unmittelbar nach Studienbeginn die Eignung der Studierenden gemessen und die „Untauglichen“ ausgesiebt werden. Abgesehen davon, dass der schwammige Begriff der „Begabung“ in den meisten Fächern unpassend erscheint – wer würde schon von einer Begabung zum Soziologie- oder Jusstudium sprechen? – übersieht diese Argumentation, dass viele Studierende erst im Zuge des Studiums ihr Potenzial entfalten.

 

Weitaus bedenklicher an dieser Argumentation ist aber, dass die Studierenden für das Phänomen des Studienabbruchs selbst verantwortlich gemacht werden. Die realen Gründe für die schwerwiegende Entscheidung, ein Studium abzubrechen, werden damit bewusst verschleiert. Eine Studie des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung belegte, dass vor allem finanzielle Probleme und zeitintensive Erwerbstätigkeit neben dem Studium zu Studienabbrüchen führen. Der Studienabbruch ist also kein persönliches Armutszeugnis der Betroffenen, sondern Ausdruck und Folge eines vergleichsweise studierendenfeindlichen Umfelds. Viele Studierende befinden sich in einem Teufelskreis aus Finanznot, in der Folge ausufernder Berufstätigkeit, Studienzeitverzögerungen, den Verlust von Beihilfen und schließlich den Abbruch des Studiums. Die Kürzungen bei der Familienbehilfe verschärfen das Risiko eines unfreiwilligen Studienabbruchs.

 

Ein zentrales Problem liegt in den unrealistisch niedrigen Mindeststudienzeiten. Denn wer das Hauptstudium nicht innerhalb der Mindeststudienzeit plus Toleranzsemester abschließt, verliert den Anspruch auf Studienbeihilfe, Familienbehilfe und diverse Stipendien. Die Mindestzeit plus Toleranzsemester sieht für Diplomstudien nur 10 Semester vor, während der Durchschnitt der tatsächlichen Studienzeit bei 12,5 Semester liegt. Bei Bachelorstudien sind 7 Semester vorgesehen, der reale Schnitt liegt jedoch bei 8,5 Semester; bei Doktoratsstudien sind es 7 gegenüber 9 Semester.

 

Die Diskrepanz zwischen den erwarteten und den tatsächlichen Studienzeiten liegt häufig in der Überfrachtung der Studienpläne. Rein formal entspricht ein Hochschulstudium einem Vollzeitjob mit 40 Arbeitsstunden pro Woche. Mit Hilfe von ECTS-Punkten (European Credit Transfer System) sollten der Arbeitsaufwand von Lehrveranstaltungen gemessen und die Anforderungen des Curriculums an den Idealwert von 30 ECTS-Punkten (ca. 750 Arbeitsstunden) angepasst werden. Die Realität ist jedoch weit davon entfernt. Mit der Implementierung des Bologna-Systems wurden zahlreiche vierjährig angelegte Diplomstudien auf dreijährige Bachelorstudien komprimiert, ohne dass die Studieninhalte der kürzeren Dauer angepasst geworden wären! Die Abspeckung der Curricula auf ein studierbares Maß scheiterte am Widerstand der Universitäten und einzelner Lehrender, die nicht bereit waren, Lehrinhalte aus ihrem Fach zu kürzen. Heutzutage sind die meisten Curricula noch immer hoffnungslos überfrachtet. Mit ein Grund ist, dass die Work-Load-Erhebungen zur Bemessung den studentischen Aufwandes nur halbherzig durchgeführt werden und kaum zu Veränderungen in der Gestaltung von Lehrveranstaltungen und Studienplänen führen. Als GRAS setzen wir uns auf lokal- wie bundespolitischer für studierbare Curricula, seriöse LV-Evaluierungen und für die Aufhebung der Mindeststudienzeiten ein!

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