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Mehr als ein Antifa-Event

Die Kritik am WKR Ball ist - abgeschwächt aber doch - während der letzten Jahre in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen. Kaum jemand findet es mehr akzeptabel, dass rechtsextreme in der Hofburg feiern. Sogar die BetreiberInnengesellschaft hat erkannt, dass es der Hofburg wohl mehr schadet als nützt, wenn die europäische Rechte in ihr feiert. Deshalbt wurde der WKR Ball ab 2013 aus der Hofburg geschmissen.

Es ist gut und wichtig, dass die Kritik, die von autonomen und antifaschistischen Einzelpersonen und Gruppen über Jahre formuliert wurde, nun eine breite gesellschaftliche Basis erreicht hat. Es ist gut und wichtig, dass es zivilgesellschaftliche Organisationen gibt, die diese Kritikpunkte aufgreifen und Schritte setzen, die den WKR Ball verhindern, oder ihn zumindest aus der Hofburg werfen. Auch ist es wichtig, dass es zivilgesellschaftliche Organisationen gibt, die alles daran setzen, nicht nur den WKR Ball zu verhindern, sondern auch jenen zu gedenken, über die vor lauter Protest oft zu wenig gesprochen wird: die Opfer der Shoa. Millionen von Menschen, Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti, "Asoziale", KommunistInnen, SozialistInnen, politisch Anderdenkende, Homosexuelle, Wehrdienstverweigerer, die brutal ermordet wurden.

Gleichzeitig bedeutet ein Ankommen von Kritik in der Mitte der Gesellschaft auch immer, dass es Auslassungen gibt.
Was fehlt ist die Frage: Passt der WKR-Ball nicht eigentlich ganz gut in die Wiener Hofburg? In einem Staat, in dem noch immer an der Opferthese festgehalten wird. In einem Staat, in dem Wehrmachstdesserteure erst vor zwei Jahren rehabilitiert wurden, in dem Raubkunst noch immer nicht rückerstattet wurde, in einem Staat in dem WiderstandskämpferInnen und PartisanInnen noch immer nicht anerkannt sind? In einem Staat, in dem ein Mitglied einer deutschnationalen Verbindung, die im WKR führend ist, 3. Nationalratspräsident ist - und wo man nur einmal mit der U-Bahn oder dem Skilift fahren muss, um zu erfahren, was Rassismus, Sexismus, Homophobie und Antisemitismus denn bedeuten.

Nein, dass die Kritik am WKR Ball in der "Mitte der Gesellschaft" angekommen ist, heißt noch lange nicht, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.
Es bedeutet, weiter zu kämpfen. Gegen den Normalzustand, gegen den revisionistischen, sexistischen, rassisitischen, homophoben Alltag, für den der WKR-Ball in der Hofburg ein Symptom ist. Nicht mehr und nicht weniger. Den beschissenen Normalzustand müssen wir tagtäglich, und nicht nur am 27.1., weiter bekämpfen. Das heißt manchmal, gegen Wände rennen, das heißt manchmal, nicht von allen verstanden zu werden. Aber wir sehen das als die einzige Chance, dass die Kritik an rassisitscher, sexistischer, homophober und antisemitischer Kackscheiße nicht dabei stehen bleibt, einmal im Jahr ein Anitfa-Event zu organisieren.

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