Ein Blick auf fünf Jahre No-WKR Proteste
Von linksradikaler kritik bis in die Mitte der Gesellschaft
Seit 2008 gibt es in Wien wieder jährliche Proteste gegen den Ball des Wiener Korporationsrings. 2008 organisierte eine Vernetzung von antifaschistischen und autonomen Menschen als "AK gegen den WKR" eine Veranstaltung unter dem Motto "WKR Ball wegBASSEN", um nicht länger zuzusehen, "wie Zivilgesellschaft und Politik dieses rechte Treffen tolerieren". Die Party in der Ovalhalle des Museumsquartiers wurde zum mitternächtlichen Ausgangspunkt einer spontanen Demonstration. Hunderte Menschen standen um etwa 24.00 am Heldenplatz und taten ihrem Unmut über den WKR Ball lautstark kund. Im Anschluss daran kam es zu weiteren Spontandemonstrationen in Wien. In der Ovalhalle wurde bis in die frühen Morgenstunden der Bass gegen den WKR Ball aufgedreht.
2009 fand unter dem Motto "WKR Ball - kein Grund zum feiern" eine breite Mobilisierung zu einer Demonstration gegenden WKR Ball statt.
Hunderte Menschen zogen vom Europaplatz durch die Stadt zum Burgring. Die Polizei rüstete gegen die Demonstration auf: zahlreiche PolizistInnen waren im Einsatz, Wasserwerfer wurden bereitgestellt. Dennoch gelang die Demonstration nahe an die Hofburg und konnte so manchem Taxi mit BallbesucherInnen die Weiterfahrt erschweren. Die GRAS konnte damals einen großen Erfolg feiern, da auf unsere Iniative hin die fünf noch immer auf dem "Ehrenkommittee" des Balls aufgelisteten damals aktiven Rektoren öffentlich gemacht wurden und in weiterer Folge den WKR-Ball nicht mehr unterstützten.
2010 wurde unter dem Motto "en garde" zu einer Demonstration aufgerufen. Bikreative Organisationsformen - von bike-block bis queer-fem block organisierten sich. Auch wurden Busse aus anderen österreichischen Städten durch die lokalen ÖHs organisiert.
Bereits im Vorfeld versuchte die Polizei die Demonstration zu verhindern. Die Anmeldung der GRAS wurde untersagt. Als schließlich fünf Nationalsratsabgeordnete der Grünen eine Demonstration anmeldeten, wurde diese eine Stunde vor Beginn ebenfalls polizeilich verboten. Dennoch fanden sich mehr als 1000 Menschen am Europaplatz ein - und wurden mit extremer Polizeirepression konfrontiert. Die DemonstrantInnen wurden eingekesselt - das heißt von PolizistInnen umringt und gehindert, sich vom Platz wegzubewegen. Zwei Wasserwerfer rückten ständig bedrohlich näher - sogar aufs Klo gehen wurde verunmöglicht. Selbst PassantInnen, die zufällig am Europaplatz Kaffee tranken, durften den Platz nicht verlassen. DemonstrantInnen, die in ein nahe gelegenes Lokal "flüchteten" um das WC zu besuchen, wurden dort stundenlang festgehalten - all das bei Minusgraden. Aus dem Kessel gelangte nur, wer eine Anzeige in Kauf nahm - und auch auf diese musste stundenlang in der Schlange gewartetwerden. Die Polizei behauptete im Anschluss, es hätten nur 300 Personen demonstriert. Die Fakten zeigen aber eine andere Wahrheit: Es waren 753 Anzeigen.
2011 setzte sich die Polizeirepression weiter fort. Abermals wurde die Demonstration untersagt. Dennoch trafen sich hunderte DemonstrantInnen zu spontanen Kundgebungen an verschiedenen Orten in Wien. Immer wieder wurden DemonstrantInnen gekesselt, immer wieder wurden Personen auf brutale Weise festgenommen. Anstatt eine politische Kundgebung gegen den WKR Ball zuzulassen, wurde die Wiener Innenstadt zum Katz- und Maus Spiel. Anzeigen wegen "gehens gegen die Einbahn" oder zu schnellem Fahrradfahren (über 10 km/h auf dem Radweg sind scheinbar nicht erlaubt, wissen wir seither) folgten in den nächsten Wochen und führten den Polizeieinsatz weiter ad absurdum.
2012 können wir, gemeinsam mit der mittlerweile großen Runde an DemonstrantInnen gegen den WKR-Ball, den Erfolg feiern, dass er zum letzten Mal in der Wiener Hofburg statt finden wird. Doch das bedeutet leider nicht, dass damit auch ein inhaltlicher Erfolg automatisch einhergeht: Zufrieden sind wir erst, wenn sich auch gesamtgesellschaftlich etwas ändert!
Bleibt zu hoffen, dass die Wiener Polizei 2012 das verfassungsmäßige Recht, sich zu versammeln und politische Meinungen kundzutun, nicht wieder einschränkt. Wir sind empört, dass die Polizei Burschenschafter beschützt und dementgegen antifaschistischen DemonstrantInnen Grundrechte entzieht! Aber, wie die letzten Jahre gezeigt haben: Wir lassen uns nicht davon abhalten, gegen den WKR ball zu demonstrieren!