GRAS
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Zahl dir deine Arbeit doch selbst!

StudentInnen die Praktika absolvieren, arbeiten prekär, unterbezahlt und unversichert - Männerseilschaften, soziale Selektion und Überstunden inklusive.

Von: GRAS Arbeitsgruppe gegen Praktika

Wann haben Sie zuletzt 300 Euro verdient - für ein Monat, 60 Stunden pro Woche, unter Zeitdruck und ohne Sozialversicherung? Wenn Sie sich gar nicht mehr erinnern können wann es anders war oder wann Sie zuletzt überhaupt bezahlt wurden, sind Sie vermutlich a) Hausfrau oder Hausmann b) ehrenamtlicheR MitarbeiterIn einer NGO - oder c) StudentIn.

StudentInnen, Universitäts- und FachhochschulabsolventInnen zählen zwar allgemein immer noch zu Privilegierten am Arbeitsmarkt - allerdings nur, wenn sie genügend Praxis aufweisen können. Diese kann wiederum nahezu ausschließlich unter prekären Bedingungen gesammelt werden. Zahlreiche Studien zeigen, dass trotz höheren Anforderungen an angehende AkademikerInnen die Bereitschaft der ArbeitgeberInnen sinkt, für die qualifizierte Arbeit auch gerecht zu bezahlen, zu versichern oder zu vereinbarten Zeiten arbeiten zu lassen. Treffender als „Studierende" sind mittlerweile die Bezeichnungen „Generation Praktikum" und „prekär Beschäftigte" für Personen, die an Österreichs Unis inskribiert sind. Von einer Arbeit zur nächsten, von dort aus schnell auf die Uni und dann weiter zum Nebenjob ist mittlerweile der Alltag zahlreicher StudentInnen. Proseminare werden am Abend besucht, Vorlesungen am Wochenende geblockt und ein oder gleich zwei Praktika noch schnell in den Ferien absolviert - und das meist unbezahlt: Laut einer aktuellen Studie wird ein Drittel der Praktika gratis absolviert, mehr als 50 Prozent der Betroffenen arbeiten zwischen 31 und 40 Stunden, jedeR Siebente macht Überstunden und 36 Prozent der PraktikantInnen empfinden die Arbeitsbelastung als „sehr hoch".

Neben den Pflichtpraktika im Rahmen des Lehrplans und den Ferialpraktika während der Studienzeit absolvieren 50 Prozent der StudentInnen auch nach ihrem Studium noch mindestens ein Praktikum um den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Meist zwischen zwei und sechs Monaten wird dann weiter prekär und unterbezahlt gearbeitet; andere Einkommensquellen müssen herangezogen werden - bei zwei Drittel der StudentInnen und selbst der AbsolventInnen sind das die Eltern. Dies wiederum zeigt, dass Praktika überhaupt nur von einer privilegierten Schicht gemacht werden können; Kinder aus ärmeren Familien können sich diesen „Luxus" nicht leisten. Versuchen sie es doch, ergibt sich oft eine Parallele zu „working poor": Armut trotz Arbeit und Ausbildung. Darüber hinaus sind für passende Praktika oft Verbindungen, Netzwerke und Seilschaften notwendig, was einmal mehr zu sozialer Selektion und nicht selten zu struktureller Diskriminierung von Frauen führt, sowie Personen aus bildungsfernen Schichten von adäquaten Arbeitsplätzen fernhält.

Prekarität ist die Summe verschiedener Faktoren wie Überstunden, Wochenendarbeit, Zeitdruck, Unterbezahlung, fehlende soziale Absicherung und mangelnde Einbindung in die Mitbestimmung des Betriebs. Laut einer Studie, die zwischen 2002 und 2006 in Deutschland durchgeführt wurde, sind Frauen davon wesentlich stärker betroffen als Männer. Sie absolvieren deutlich häufiger Praktika - nach dem Studium sind es sogar nur Frauen, die auch ein zweites Praktikum ableisten - und werden für diese geringer oder gar nicht bezahlt. Bei postgraduellen prekären Beschäftigungsverhältnissen verdienen Frauen beispielsweise durchschnittlich 200 Euro weniger pro Monat als ihre Kollegen, nämlich nur 543 Euro. Auch danach wird ihnen durchschnittlich weniger Lohn für gleiche Qualifikation und Arbeit zugestanden. Zusätzlich sind Hochschulabsolventinnen deutlich stärker von Zwischen- und Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.

All dem steht ein eklatantes Versäumnis in der Schaffung notwendiger rechtlicher und politischer Rahmenbedingungen gegenüber. Unter dem Begriff Praktikum wird Missbrauch betrieben, auf Kosten der Betroffenen und zum Schaden der sozialen Sicherungssysteme. Außerdem führt die steigende Anzahl an Praktikumsstellen zu einem Teufelskreis: Wenn immer mehr AkademikerInnen und StudentInnen gezwungen sind, als PraktikantInnen für wenig oder auch gar kein Geld zu arbeiten, werden in Folge immer weniger reguläre Stellen angeboten. Um zu verhindern, dass PraktikantInnen als billige Arbeitskräfte missbraucht werden, benötigen wir gesetzliche Regelungen, die ein Praktikum als Lernverhältnis und arbeits- wie sozialrechtlich klar definieren.

Wir StudentInnen sind alle von diesem Trend betroffen - daher gehen wir Grünen & Alternativen StudentInnen (GRAS) nun in die Offensive. Wir fordern im ÖH-Wahlkampf und danach gesetzlich verankerte Rahmenbedingungen für Praktika: vertraglich fixierte Bezahlung mindestens über der Armutsgrenze, also 800 Euro und darüber, Festlegung der Maximalen Dauer bei höchstens fünf Monaten, Einbindung in die Kollektivverträge sowie arbeitsrechtliche Mindeststandards wie Kranken- und Pensionsversicherung. Außerdem treten wir für ein Stipendiensystem ein, dass die Arbeit bei NGOs unterstützt. Mindeststandards müssen eingehalten, Einschulungen abgehalten werden und Ansprechpersonen wie auch Feedbackmöglichkeiten vorhanden sein. Ein Teil der Umsetzung muss über die ÖH passieren, die im Rahmen ihrer Beratungstätigkeit und durch Broschüren zur Vermittlerin von Grundkenntnissen im Arbeitsrecht zur selbstbestimmten Wahrung der Interessen von StudentInnen werden soll. Mit einer starken GRAS in der ÖH soll dem Thema Ausbeutung im Rahmen von universitärer Bildung, prekären Beschäftigungsverhältnissen und Praktika endlich eine starke mediale Präsenz und institutionalisierte Gegenöffentlichkeit gegeben werden.

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